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  • Ein Puppenspieler steht in einem hohen, gewölbten Saal und führt mit beiden Händen eine bunte Marionette mit spitzem, gestreiftem Hut. Im Hintergrund sind orange Wände, Bilderrahmen und eine Holzkiste mit der Aufschrift „Augsburger Puppenkiste“ zu sehen.
  • Nahaufnahme der Hände eines Puppenspielers, der die Fäden einer farbenfrohen Marionette mit gestreiftem Hut bewegt. Im Hintergrund verschwimmen Details des Raums, wodurch die Puppe mit ihrem roten Jackett und dem fröhlichen Gesichtsausdruck in den Mittelpunkt rückt.

Gesichter

Hans Kautzmanns Puppenspielwelt

Hans Kautzmanns Puppenspielwelt

Wie die Jungfrau zum Kind – so kam Hans Kautzmann zum Beruf des Puppenspielers. Doch seine Freundin riet ihm, einmal in der Puppenkiste vorbeizuschauen. Wenig später war der Vertrag – und damit ein neues Leben – unterschrieben. 35 Jahre später steht er immer noch auf und hinter der Bühne. „Am Anfang habe ich gehadert, ob das wirklich der richtige Weg ist“, erzählt er. „Aber dann war klar: Ich gehöre hierher.“

„Puppenspiel ist Schauspiel mit den Händen“, sagt Hans. Jede Bewegung muss selbstverständlich wirken und um eine Hauptrolle zu meistern braucht sechs Jahre Übung. Und der Beruf endet nicht beim Spiel: Schnitzen, Malen, Schreinern, Requisite, Ton – all das gehört dazu. „Wir nennen uns talentierte Pfuscher“, erzählt er lachend, „weil wir vieles können müssen, ohne alles gelernt zu haben.“

Zu seinen Lieblingsstücken zählen Der kleine Prinz, Der Prozess um des Esels Schatten und Räuber Hotzenplotz – mit dem „weltbesten Wachtmeister Dimpfelmoser“, einer Puppe, die sich „fast von selbst bewegt“. Doch keine Figur gleicht der anderen: Manche spielen sich wie von selbst, andere verlangen deutlich mehr Feingefühl. Zu seinen schönsten Erinnerungen zählt das 50-jährige Jubiläum der Puppenkiste, als er gemeinsam mit Walter Schellemann, der Stimme des See-Elefanten, auf der Bühne stand. Auch Pannen gehören dazu – etwa als beim Hotzenplotz der große Schnupftabaksack abriss und alles unter sich begrub.

Kautzmanns Arbeitsplatz liegt mitten in der Augsburger Altstadt, die für ihn weit mehr ist als Kulisse. Geboren im Domviertel schätzt er die lebendige Geschichte der Gassen, Bäche und Hinterhöfe der Altstadt. Neben dem Holbeinplatz hat er auch einen Lieblingsplatz außerhalb der Altstadt: die Steinbänke am Weberhaus, wo er inmitten des Trubels Ruhe findet. Besuchern empfiehlt er Klassiker wie den Goldenen Saal, den Dom und die Fuggerei – und kleine Geheimtipps wie den Platz beim Liliom, wo Salomon Idler einst mit selbstgebauten Flügeln seinen einzigen Flugversucht startete und landete.

„Ein lebendiges Viertel mit Geschichte“, so fasst Hans Kautzmann die Altstadt zusammen. Worte, die auch für sein eigenes Lebenswerk gelten: ein Spiel, das aus Tradition lebt und immer Neues entstehen lässt.

 

Veröffentlicht am 26. September 2025

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