Geschichten
Handwerk in der Altstadt
Die alte Augsburger Altstadt und ihr Handwerk
Die zahlreichen Kanäle, die sich durch das Lechviertel ziehen, prägen das Stadtbild bis heute. Ursprünglich dienten sie nicht nur der Wasserversorgung, sondern auch als Antriebskraft für die Stadt. Bereits im 18. Jahrhundert trieben die Lechkanäle mehr als 160 Wasserräder an, später sogar über 200 im gesamten Stadtgebiet. Diese lieferten Energie für Mühlen, Hammerwerke, Papierherstellung und zahlreiche Werkstätten. Entlang der Wasserläufe entstanden so Zentren des Handwerks.
Die Bedeutung dieser Wasserkultur wird besonders deutlich im UNESCO-Welterbe „Wasserwirtschaft in Augsburg“, das seit 2019 ausgezeichnet ist. Insgesamt 22 Stationen erzählen hier von einer Stadt, die Wasser nicht nur nutzte, sondern meisterhaft lenkte: von Kanälen und technischen Bauwerken über prachtvolle Brunnen bis hin zu historischen Wasserwerken. Ein eindrucksvolles Beispiel für diese Ingenieurskunst ist die sogenannte Stadtmetzg von Elias Holl aus dem Jahr 1609. Unter dem Gebäude wurde der Lechkanal hindurchgeführt, dessen kaltes Wasser die Fleischhalle auf natürliche Weise kühlte.

Die Stadtmetzg am Metzgplatz
Entlang des Handwerkswegs begegnet man auch den Gewerken, die direkt vom Wasser abhängig waren. Zum Beispiel benötigten Gerber große Mengen Wasser zur Verarbeitung von Tierhäuten, die über Wochen in aufwendigen Prozessen zu Leder veredelt wurden. Schmiede nutzten Wasserkraft für Hammerwerke, während Steinmetze, Zimmerer und Maurer vom stetigen Ausbau der Stadt profitierten.

Alte Schmiede am Milchberg
Auch die Metallverarbeitung prägte die Stadt nachhaltig. Die Tradition des Schmiedehandwerks reicht in Augsburg bis ins Mittelalter zurück. Die historische „Alte Schmiede am Milchberg“ ist ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Zeit: Seit dem 12. Jahrhundert wurde hier ohne Unterbrechung gearbeitet. Heute wird der Ort erforscht und dokumentiert, doch die Werkzeuge, die Hitze und das Material erzählen weiterhin von einem Handwerk, das Kraft und Präzision vereint.
Ein weiteres Zentrum der Handwerkskunst war und ist die Buchbinderei. Aus einzelnen bedruckten Seiten entstehen hier in sorgfältiger Handarbeit langlebige Bücher. Ein Prozess, der Geduld und Genauigkeit erfordert.
Auch das Brotbacken gehört zu den traditionsreichen Gewerken der Stadt. In der Bäckerei Laxgang am Milchberg wird noch heute im Holzofen gebacken, bei dem Feuerraum und Backkammer eine Einheit bilden. Diese ursprüngliche Methode verlangt Erfahrung und Fingerspitzengefühl, da Temperatur und Zeit ausschließlich durch Handwerk und Erfahrung gesteuert werden.

Geigenbaumeister Samuel Rusch
Wer dem Handwerksweg folgt, erlebt also weit mehr als historische Kulisse. Zwischen Werkstätten, Wasserläufen und alten Gebäuden zeigt sich eine Stadt, die über Jahrhunderte hinweg gelernt hat, mit ihren natürlichen Ressourcen intelligent umzugehen und daraus eine einzigartige Handwerkskultur entwickelt hat. Viele dieser Traditionen leben bis heute fort: in Goldschmieden, Buchbindereien, Geigenbauwerkstätten und kleinen Manufakturen, die ihre Türen für Besucher öffnen.
Das heutige Handwerk in der Augsburger Altstadt entdecken:
- Gerberei Aigner am Vorderer Lech 32
- Alte Silberschmiede in der Pfladergasse 14 oder Goldschmied Martin Larsen in der Weiße Gasse 7
- Altstadtbuchbinderrei in der Schmiedgasse 15
- Bäckerei Laxgang in der Spitalgasse 6
- Geigenbauer Samuel Rusch in der Wintergasse 11 oder Geigenbaumeister Michael Fabig im Waisengässchen 7
- Hutmacher be hütet in der Pfladergasse 18
- Rahmenhandlung Heydel in der Bäckergasse 16
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